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Adventbräuche

Beliebtester Adventbrauch ist heutzutage das Aufstellen eines Adventkranzes als Zeitmesser mit vier Kerzen für die vier Adventsonntage. Eine ähnliche Funktion hat der Adventkalender für Kinder, der die Tage des Dezembers bis Weihnachten zählt. Seit dem 15. Jahrhundert sind die Klöpflesnächte, ein Orakelbrauch, bekannt. Das Klöpfeln als Heischebrauch der Kinder ist verknüpft mit dem Hinweis auf die Geburt Christi (seit der 1.Hälfte des 16. Jahrhunderts). Das Ansinge-Lied wird im 17. Jahrhundert dem Kirchenlied immer ähnlicher (vgl. Sternsingen). Das Frautragen, das Tragen eines Marien- oder Josefsbildes bzw. -plastik von Haus zu Haus, stellt eine spätere Form der Herbergssuche dar und wird örtlich wieder neu belebt. „Advent-Blasen”, ”den heiligen Christ herabblasen”, also Turmblasen, ist in Nordwestdeutschland und in den Niederlanden üblich. Rorate-Messen oder Rorate-Ämter, besondere Adventgottesdienste, gibt es ebenfalls bis in die Gegenwart. Das Advent-Fasten (vgl. Advent) dagegen hat schon das Kirchenrecht von 1917 nicht mehr gefordert. Der Tag der heiligen Lucia (= Wintersonnwende) nimmt die Lichtsymbolik in Form der Kerzenkrone auf. Heiligenfeste im Advent galten als Lostage für Wetter, Beginnen, Heirat: Andreas, Barbara (Barbarazweige), Thomas. Das Fest des heiligen Nikolaus, im Mittelalter Kinderbeschenktag und Termin für das Kinderbischofsspiel (vgl. ludus episcopi puerorum), verschmolz mancherorts mit alten nächtlichen Lärmumzügen Vermummter (Buttnmandeln, Klausen, Strohschab, Knecht Ruprecht, rauhe Perchta). Der Adventkalender hat seit dem 19. Jahrhundert das Strohhalmlegen verdrängt. Wo Weihnachtskrippen als Wandelkrippen aufgestellt sind, beginnt in der Adventzeit der Aufbau und die Gestaltung der Krippe.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

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