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Apfel

Einerseits ist der Apfel das „Hausobst” des heiligen Nikolaus. Die Äpfel symbolisieren die Goldklumpen des Heiligen aus der Jungfrauenlegende. Andererseits war der Apfel durch die Paradiesspiele zur Frucht des Lebens geworden, denn nach mittelalterlichem Verständnis konnte die sündhafte Frucht nur ein Apfel sein, denn, so die damals einleuchtende Begründung, Apfel und Übel, also Schuld (Apfel = lat. malum; Übel = lat. malus) klangen schließlich nicht ohne Grund ähnlich. Der Apfel versinnbildlicht Fruchtbarkeit und Wohlhabenheit. Mancherorts aß man am Heiligabend einen Apfel, der im kommenden Jahr vor Unglück schützen sollte. In Westfalen schenkte man sich zu Weihnachten wechselseitig Äpfel, die sofort verspeist werden mussten, „damit einem das Geld niemals ausgeht”. Im Westen Deutschlands hebt man die Apfelkerne der zu Weihnachten verspeisten Äpfel auf, um die Apfelkerne einzupflanzen. In vielen Orakelbräuchen ist der Apfel unentbehrlich: Ein Mädchen, das am Heiligabend einen Apfel teilt, kann an den Kernen im Apfelgehäuse seine Zukunft ablesen (Apfelorakel). Unverletzte Kerne künden Gesundheit, ein wie ein Stern geformtes Kerngehäuse zeigt Glück und Segen an. Wer Weihnachten einen Apfel so schält, dass die ganze Schale ein unzerrissenes Band bildet, kann dieses über die rechte Schulter nach hinten werfen. Die Lage der Schale gibt Aufschluß über Braut oder Bräutigam, Hochzeitstermin usw. Für die jungen Burschen gab es ein eigenes Liebesorakel. Ein junger Mann, der am Weihnachtsmorgen einen Apfel essend vor dem Hoftor saß, erfuhr, wen er im nächsten Jahr heiraten würde: Das erstbeste Mädchen, das den Weg - bestellt oder auch nicht! - entlang kam. Ob sich die jungen Burschen das (Liebes-) Leben nur leicht machen wollten oder aber mit diesem „Orakel” ihre Bräute öffentlich einführten, ist nicht überliefert.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

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