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Einkehrbrauch des heiligen Nikolaus

Nachdem das Nikolausfest durch die Reformation als Kinderbeschenktag obsolet geworden war, reagierte die Gegenreformation, indem sie dem Fest ein katechetischpädagogisches Gepräge gab. Nikolaus und Gefolge kehrten in jedes Haus mit Kindern ein und examinierte diese. Abgefragt wurde, ob die Kinder ihre Gebete verrichtet hatten und den Anordnungen der Eltern gefolgt waren. Die Guten wurden belohnt und die Säumigen verwarnt. Nicht zu verkennen ist, dass hier im Brauchtum die kirchenrechtlich vorgeschriebene Visitation des Bischofs in einer Pfarrgemeinde zum Vorbild des Einkehrbrauchs wurde. Das „Gericht”, das Nikolaus abhielt, spiegelt das Weltgericht Gottes in der Ewigkeit wider. Ausgelöst bzw. verankert kann der Einkehrbrauch in der Epistel des Nikolaustages sein, in der - vor der Liturgiereform - auf die Richtschnur des heiligen Nikolaus verwiesen wurde, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden: „Gedenket eurer Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben! Schauet auf den Ausgang ihres Lebens und ahmet ihren Glauben nach” (Hebr 13, 17). Das Evangelium vom Nikolaustag war das Gleichnis von den Talenten (Mt 25, 14 - 23). Wie im Gleichnis der Herr Rechenschaft von seinen Knechten fordert, fragte der als heiliger Nikolaus einkehrende Erwachsene die Kinder das gelernte Glaubenswissen ab und belohnte die Fleißigen und strafte die Faulen („gegenreformatorische Adventspädagogik”, Werner Mezger). Der Einkehrbrauch hat durch die vielfach kömodienhafte Inszenierung und die Ausnutzung als „Angstmacher” gelitten. Dennoch hat sich der Einkehrbrauch nicht überlebt, vielerorts wird er noch inszeniert. Auch heute noch kann man den Einkehrbrauch verantwortlich inszenieren, wenn man mit dem Brauch keine Angst auslöst und die Kinder die Güte des Heiligen erleben lässt. Gemäß pädagogischer Erkenntnisse sollte das Gute verstärkt und das Nicht-so-Gute negiert werden. Es empfiehlt sich eine den Kindern bekannte Person als „Nikolaus” einzusetzen oder aber wenigstens die Verkleidung vor Kindern im Kindergartenalter selbst durchzuführen. Knecht Ruprecht darf nicht als Angstmacher bedrohlich werden. Ein Sack, in den Kinder gesteckt werden (könnten), hat mit dem Heiligen nichts zu tun. Vgl. auch Buch, Goldenes und Schwarzes; Ketten, Kettenrasseln; Nikolaus-Begleiter, Rute.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

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