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Gabenteller
Die vor allen Dingen im angelsächsischen Lebensraum verbreitete und in andere Bereiche importierte Sitte, wonach der ungesehene nächtliche Besucher Nikolaus (und später natürlich die personifizierte Metamorphose Weihnachtsmann) seine Geschenke und Naschereien in Schuhe und Strümpfe steckte, empfinden manche als schlicht eklig. Nicht einmal hygienische Gesichtspunkte mögen hier primär mitspielen. Unreflektiert kann auch die empörte Grundannahme gelten, dass größere Geschenke in so kleinen Behältnissen doch keinen Platz finden! Der Brauch, die Gaben in ein eigenes Gefäß oder Behältnis zu legen (der Gabenteller hat in mehrfacher Hinsicht seine Nähe zu einer Opferschale), ist so jung wie der Besitz solcher Gerätschaften in bürgerlichen Haushalten. Der mittelalterliche Mensch besaß kaum Schüsseln, keine individuellen Essteller. Man aß aus einer Schüssel, verfügte vielleicht über eine Aushöhlung im Holztisch. Sollten aber nächtlich Gaben durch einen unsichtbaren Nikolaus individuell zugewiesen werden, was lag da näher als persönliche Kleidungsstücke zu benutzen, die zum Trocknen aufgehängt oder aufgestellt waren: Strümpfe und Schuhe. Hinsichtlich eines eventuellen Naserümpfens wegen jener neuzeitlichen Erfindung namens Hygiene konterte man nicht anders, als wie man es heute noch im Rheinland hören kann: Nu sit doch nit esu!, - was sich mit Stell' Dich nicht so an nur unvollkommen übersetzen lässt. Individuelle Behältnisse für Nikolausgeschenke, ob Strümpfe, Schuhe, Nikolaus-Schiff oder Gabenteller, kennzeichnen die Nikolausbrauchtumsphase nach den Wurf- und Streuabenden, also die Zeit des Einlege- und des Einkehrbrauches.
© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln
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