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Gartenzwerg
Der verzwergte und vervielfältigte Weihnachtsmann aus Steingut ist eine Erfindung von Philipp Griebel aus dem thüringischen Gräfenrode, der im September 1883 den ersten Gartenzwerg aus Terrakotta formte und damit eine ganze Industrie zum Leben erweckte. Als little helpers des amerikanischen Father Christmas tauchten die bebärteten Miniatur-Klons in amerikanischen Weihnachtsmann-Zeichnungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte ein Teil der Terrakotta-Zwergenproduktion von Ost nach West, denn unter Walter Ulbricht war von 1948 bis 1952 die Zwergenherstellung in der DDR völlig verboten. Der deutsche Gartenzwerg (ironisch-lateinisch: nanus hortorum vulgaris) hat inzwischen die Welt erobert: In Deutschland haben rund 18 Millionen Gartenzwerge auf den Rasen Platz genommen. Mehr als tausend Unternehmen werben seit 1900 mit Gartenzwergen, zusammen mit Schneewittchen ist der Gartenzwerg ins Disneyland eingedrungen, als Schlumpf wird er in Schlagern besungen, ist Thema von Comics, wird als Puppe gehandelt. Der Erfolg der Zwerge ist so groß, dass sich die deutsche Gartenzwergindustrie nur noch mühsam ausländischer Plagiate - zum Teil in Kunststoff - wehren kann. Die Ableitung des Gartenzwerges vom heiligen Nikolaus ist noch an zwei Elementen zu erkennen: dem langen Bart und vor allem an der spitzen und natürlich (bischofs-) roten Zipfelmütze, die beim klassischen Gartenzwer nach vorn geneigt ist und so exakt die phrygische Mütze wiedergibt. Der Vollständigkeit halber sei darauf verwiesen, dass es auch Nanologen gibt, die die Abstammung des Gartenzwergs von Nikolaus bestreiten. Nach ihrer Annahme stammen die Vorfahren der Gartenzwerge aus Kreta. In altgriechischer Zeit seien dort tiefe Schächte in die Erde getrieben worden, um Silbererz abzubauen. Dafür seien besonders kleinwüchsige Männer eingesetzt worden, die sich, jeweils zu siebt in einer Schicht, mit roten Zipfelmützen ausgerüstet hätten. Später seien sie auch bei den alten Römern im gleichen Aufzug als Feldhüter tätig gewesen. Wieso aber die Gartenzwerge des 19. Jahrhunderts ausgerechnet an dieser Tradition anknüpfen sollen, bleibt bei dieser Behauptung ungeklärt.
© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln
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