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Geschenk
Eine Zeit, die standardisierte Geschenke nach medial übermittelter Aufforderung kauft, um sie nach dem über TV gelernten Ritual, das zugleich animiert und bestätigt, zu verschenken, belegt damit augenfällig, dass sie die Seile zum alten Sinn des Schenkens gekappt hat. Wer sich noch an eine Oma oder Uroma erinnern kann, die tatsächlich noch einen ganz besonderen Kuchen höchstselbst backen konnte (- also nicht jenen der Marke wie selbstgebacken als Backmischung kauft! -), weiß zu berichten, dass dieser Kuchen eben für diese Oma stand. Der Kuchen war zwar nicht die Oma, aber der Kuchen war, als wär's ein Stück von ihr. Unsere versachlichte Zeit hat das Gefühl dafür, dass Personen und Sachen eine Einheit bilden können, scheinbar fast verloren. Ein Indianer, der eine Feder aus seinem Schmuck verliert, ging sie suchen. Für ihn war die Feder nicht ein abbuchbarer Verlust, sondern ein Stück von ihm selbst. Fiel dieses Teil in die falschen Hände, konnte ein anderer über ihn Macht gewinnen. Geschenke sind deshalb nach alter Auffassung Selbstmitteilung, ein Stück von mir, mit dem ich mich dem an-deren verfügbar mache und mit ihnen eins werde (vgl. hierzu auch die Lehre von der Eucharistie in der Katholischen Kirche). Geschenke, die der heilige Nikolaus brachte, waren ursprünglich nicht einfach nur Abwicklung von zuvor abgeliefertem Listen des Geschenkebedarfs (vgl. Wunschzettel), sondern seine Geschenke waren Zeichen für die Realpräsenz Gottes und der Teilnahme der Empfänger daran. Mit allen Sinnen, mit Augen, Mund und Ohren, sollte der Beschenkte erfahren und erleben, dass für die, die sich Gottes Plan unterwarfen, schon auf Erden der Himmel begann. Ja, man konnte anhand des süßen Gebäcks Gott und seinen Himmel bereits schmecken. Je mehr der Sinngehalt des Festes verloren ging, die Brauchform aber noch erhalten blieb, spiegelte sich das Unverständnis auch in den Geschenken wider. 1816 heißt es in einem andächtigen Gebetlein zum heiligen Nikolaus von Math. Jos. De Noel:
Sankt Niklas, der du uns als Knaben
In deiner guten Laune oft bedacht
Und dann, die liebste uns von allen Gaben,
Recht stattliche Soldaten mitgebracht.
Das Geschenk pervertiert den Geschenkanlass. Die Kunst des Schenkens, vgl. Schenken, lässt sich nicht durch Menge, Kostenhöhe und Zeitangepasstheit bevormunden. Geschenke sind insofern sinnlich als sie individuell sind und in einer Zweierbeziehung widerspiegeln, wie sehr der andere sich in sein Gegenüber einfühlen kann.
© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln
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