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Lärmbrauchtum

Begriffe wie Höllenspektakel oder Höllenlärm verweisen auf den Deutungszusammenhang, in den das Christentum den Lärm einordnete. In vorchristlicher Zeit sollte Lärm die Zauberkraft der Dämonen brechen. Dieser Aberglauben hat sich lange auch in christlicher Zeit erhalten. Erst später sind die inhaltlichen Ausdeutungen christlich interpretiert, die Formen aber beibehalten worden. Gepaart mit der Abwehr böser Geister tritt die Lust an gemeinschaftlich erzeugtem Lärm auf, der vielfach in strenger rhythmischer Ordnung erfolgt (z.B. bei Lärmumzügen), aber auch seine Freude am chaotischen Durcheinander haben kann. Klopfen und Klöpfeln, Trommeln und Rummeln (vgl. Rummeltopf), Peitschenknallen (Aperschnalzen) und Schießen, Feuerwerk und Musizieren, Singen und Glockenschellen (Schellenrühren) treten in diesem Zusammenhang auf. Die Raunächte bilden jahreszeitlich schwerpunktmäßig einen Hauptbereich des Lärmbrauchtums, vor allem zu Silvester, das heute durch kleine Feuerwerke eine Ergänzung gefunden hat. Lärminstrumente (Karfreitagsratschen) ersetzen an den Kartagen auch die Glocken. Lärm gehört auch zum Einkehrbrauchtum des hl. Nikolaus.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

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