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Lucia

Die heilige Lucia (die Lichtvolle, von lat. lux = Licht) ist historisch belegt. Cirka 286 in Syrakus auf Sizilien geboren, starb sie etwa 304 als Märtyrerin unter Diokletian, weil sie keusch leben wollte und deshalb als Christin denunziert wurde. Bestattet wurde sie in einer frühchristlichen Katakombe, über die sich seit byzantinischer Zeit eine Kirche, S. Lucia, heute in der Neustadt von Syrakus gelegen, erhebt. Wo ihre Gebeine heute ruhen, ist umstritten, vor allem zwischen S. Geremia e Lucia in Venedig und dem Vinzenzkloster zu Metz in Frankreich. In Italien ist Lucia eine populäre Volksheilige, deren Lied „Santa Lucia” weit über Italien hinaus bekannt ist. Bis zur Gregorianischen Kalenderreform 1582 fiel der Festtag der hl. Lucia, der 13. Dezember, auf die Wintersonnwende, ein Lichtertag, da durch die ungenaue Jahresberechnungsmethode „der Kalender nachging”, d.h. am 13. Dezember war nach dem Sonnenjahr bereits der 25. Dezember. Bekanntlich kurierte Papst Gregor XIII. den Fehler dadurch, dass er 1582 einige Tage ausfallen ließ: Auf Donnerstag, den 4. Oktober folgte unmittelbar Freitag, der 15. Oktober. Nicht überall folgte man der „papistischen” Kalenderreform, so dass in protestantischen und orthodoxen Ländern die alten Zuordnungen zum Teil noch bis in unser Jahrhundert erhalten blieben. Weil der Lucientag somit - zumindest über Jahrhunderte - in der dunkelsten Nacht begangen wurde, verband sich die Heiligengestalt - vor allen Dingen in den Alpenländern - mit vorchristlichen Dämonengestalten. Die grausige Lucia trat in verschiedenen Gestalten auf: als Lutzelfrau, Lussibrud, Lucienbraut, Pudelmutter, Butzenlutz, Lucka oder Lucia. Als hässliche Gestalt furchteinflößend, bedrohte sie schlampige Mägde und ungezogene Kinder. Wer nach dem abendlichen Angelus noch aus dem Haus ging, konnte ihr Opfer werden. Lügnern schnitt sie die Zunge ab. In der Luciennacht war es streng verboten, Brot zu backen, zu spinnen oder zu nähen. Wer es trotzdem tat, musste mit der Rache der grausamen Lucia rechnen. In Österreich trat Lucia in Begleitung des Nikolaus als „Budelfrau” oder an ihrem Festtag als weißgekleidete „Lutscherl” auf, in anderen Gegenden auch als „Schnabelpercht”. Mancherorts bestraft Lucia nicht nur, sondern belohnt geordnete Verhältnisse mit kleinen Gaben. In Schweden wird die Luciennacht als Mittwinternacht gefeiert. Dort ist Lucia zur lichtertragenden Gabenbringerin geworden. Das älteste Mädchen einer Familie tritt am Morgen des 13., dem Lucienmorgen, in einem langen weißen Kleid auf, den Kopf mit einem Kranz aus Preiselbeeren geschmückt, in den brennende Kerzen gesteckt sind. Diese Lucia weckt alle Familienmitglieder und serviert ihnen das Frühstück ans Bett. In den Dörfern und Stadtteilen wird am Vorabend eine Lucienbraut gewählt. Während fast alle Anklänge an die grausige Lucia inzwischen untergegangen sind, hat sich aus dem alten Brauchtum das Lichtopfer erhalten, ursprünglich wohl eine Art Beschwörungsopfer. Nach einem Gottesdienst setzen Kinder in Fürstenfeldbruck selbstgebastelte Papierhäuschen, die von innen durch eine Kerze erleuchtet sind, auf einem Brettchen auf dem Fluß Amper aus. Der wohl erst seit dem 18. Jahrhundert bestehende Brauch (Lichterschwemmen) wurde ursprünglich von Erwachsenen ausgeübt. Der Lucientag war früher mit Losbrauchtum und Wetterorakeln verbunden. Z. B. trennten Mädchen am Gedenktag ein Stück Rinde einer Weide ab, ritzten ein Kreuzzeichen in den Stamm und banden die Rinde wieder fest. Wenn sie am 1. Januar die Stelle wieder enthüllten, suchten sie aus den veränderten Zeichen die Zukunft zu deuten. Vor allem im Burgenland säte man am 13. Dezember Weizen in einen mit Erde gefüllten Teller (Tellersaat, Luciaweizen, Lucienweizen). Wenn die Saat bis zum Heiligabend aufging, kündigte dies ein gutes Erntejahr an. Besonders Mutige wagten sich in der Luciennacht nach draußen, um den Lucienschein zu sehen, der die Zukunft deuten sollte. Wie Barbarazweige schneidet man am 13. Dezember Kirschzweige als Lucienzweige. Der Festtag der Lucia war im Mittelalter zeitweise und in verschiedenen Gebieten Kinderbeschenktag für Mädchen.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

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