Druckversion

Pfefferkuchen

Dieses Gebäck wird natürlich nicht unter Verwendung von Pfeffer hergestellt, nicht einmal sein Preis ist heute noch gepfeffert. Aber Pfefferkuchen waren tatsächlich einmal ein mit „Pfeffer” (= Sammelbezeichnung für damals exotische Gewürze) gewürztes Hausgebäck, das aus Lebkuchen entstanden ist, der wiederum im Honigkuchen einen Vorläufer hat. Unsere Vorfahren kannten offensichtlich schon unser „modernes” Prinzip: „Watt nix kost', dat is nix!”. Dieses Prinzip lässt natürlich den Umkehrschluss zu, dass alles, was teuer ist, auch besonders gut sein muss. Das eben galt wohl auch einmal für Pfeffer. Später blieb der Begriff erhalten und die Gewürzzugaben wurden menschlicher. Anis, Fenchel, Honig, Kardamom, Koriander, Mandelöl, Mazisblüte, Muskatnuss, Nelken, Zimt und Zitronenschale mischen die Pfefferküchler nach geheimen Rezepten mit Mehl zu einem Teig, der lagern muss. Heute lagern die Teige vierzehn Tage bis ein Jahr. Früher setzte ein Meister einen Teig an, wenn ihm ein Sohn geboren wurde. Verarbeiten durfte er den Teig erst, wenn der Sohn das Geschäft übernahm. Pfefferkuchen galt als Fastenspeise. Auch als Heilmittel wurde das Gebäck eingesetzt: Wer zwischen Weihnachten und Lichtmess - bekanntlich immerhin 40 Tage - ein Stück Pfefferkuchen in der Tasche trug, sollte vor „Buckelweh” geschützt sein. Fiebernden wurde empfohlen, den Kuchen in dreimal drei Stücke zu schneiden und jedes Mal drei Stücke zu essen. Aber es scheint auch Missgünstige gegeben zu haben, die wohl den Pfefferkuchen lieber für sich alleine behalten wollten. Es galt nämlich in einem alten Liebeszauber aus der Lausitz als ausgemacht, dass, wenn sich das Wetter innerhalb von 24 Stunden nach dem Genuss von Pfefferkuchen ändert, der Pfefferkuchenesser „unfehlbar wahnsinnig” werde. Pfefferkuchen-Zentren sind Pulsnitz in der Lausitz, Aachen und Nürnberg.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

zurück zum Seitenanfang