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Spekulatius

Dem Hausbesuch des heiligen Nikolaus beim Einkehrbrauch entspricht die bischöfliche Visitation (lat. visitatio = Besuch), bei der sich der Bischof durch eigenen Augenschein von der pastoralen Verhältnissen in einer Gemeinde überzeugt. Der Bischof tritt dabei als „Spekulator” (lat. speculari = spähen, sehen, gewahr werden; vgl. lat. speculum = Spiegel, Vorbild; vielleicht auch von lat. species artificiosa = kunstvolles Bildnis), Beobachter, auf und ist gleichzeitig Vorbild. Ein spezielles Gebildebrot, der Spekulatius, scheint seinen Namen deshalb zu haben, weil es meist den Bischof, der auch den Titel „Spekulator” (lat. „episcopus speculator”) trug, in repräsentativer Form, oft hoch zu Ross, wiedergab, vgl. frz. „pain d’epice”. Der Spekulatius ist ein Formgebäck aus dem holländischniederrheinischen Gebiet (in Abgrenzung von Gebildebrot, vgl. Weckmann), weil es durch die Benutzung von Modeln, in die der Teig hineingepresst wird, entsteht. Dargestellt werden der Heilige, Szenen der Legende und regionale Motive. Die Modeln aus Holz und Ton lassen sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Das möglicherweise zunächst nur in Verbindung mit dem Nikolausfest hergestellt Gebäck, wird seit Jahren auch zu St. Martin, im Advent und Weihnachten gereicht.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

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