
|
Vierzehnheilige, Vierzehn Nothelfer
Wenn man schon einen Heiligen als mächtigen Fürsprecher bei Gott betrachten kann, um wie viel mehr muss dies für ganze Gruppen gelten, dachten sich die Menschen im Mittelalter. Die bis heute bekannteste Gruppe wurde im 14. Jahrhundert gebildet: die Vierzehnheiligen oder heute Vierzehn Nothelfer. Das NT kennt die Vorstellung, dass Kinder stets von Schutzengeln begleitet werden (Mt 18,10). Seit dem 14. Jh. trifft diese Tradition mit der von den Vierzehnheiligen zusammen, dem Glauben an spezielle Heilige, die in bestimmter Not angerufen werden. Sie verbreiteten sich im 15. Jahrhundert über den deutschsprachigen Raum hinaus. Dieser Gedanke ist der Hintergrund der überlieferten Erscheinung, die der Sohn des Klosterschäfers 1445/46 in Frankenthal bei Bamberg hatte: Ihm erschien Christus im Kreis von vierzehn Kindern, die sich als heilige Nothelfer vorstellten. In Vierzehnheiligen bei Staffelstein bildete sich ein bis heute viel besuchter Wallfahrtsort. Die Vierzehn Nothelfer werden - in Bild und Plastik - meist unter der Gottesmutter Maria dargestellt. Es sind meistens: Achatius, der Soldat, (in Todesangst); Abt Ägidius (Helfer bei der Beichte); Barbara (in der Sterbestunde); Blasius von Sebaste (bei Halsleiden und anderen Krankheiten); Christophorus (gegen unvorbereiteten Tod); Cyriakus von Rom (bei Besessenheit); Dionysius von Paris (bei Kopfschmerzen); Erasmus (bei Leibschmerzen); Eustachius (in aller Not); Georg (Schutzheiliger der Reiter und der Haustiere); Katharina von Alexandrien (bei Kopfschmerzen); Margareta von Antiocheia (Beistand der Gebärenden); Pantaleon (bei allen Krankheiten); Vitus (bei Epilepsie, Tollwut und Besessenheit). Lokale oder regionale Traditionen fügen den Vierzehnheilgen gerne noch einen ihrer Heiligen zu. Der heilige Nikolaus wurde ebenfalls im Hoch- und Spätmittelalter gern den Vierzehn Heiligen (Nothelfern) zugerechnet. Die Bedeutung der Vierzehnheiligen ergibt sich auch daraus, dass in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts allein in Deutschland mehr als 830 spezifische Kultstätten bestehen. Andere Heiligengruppen sind die Vier Marschälle Gottes und die drei heiligen Madl.
© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln
zurück zum Seitenanfang
|
|
|
|